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Nationalpark Neusiedlersee


Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel – Einzigartige Steppenlandschaft

Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel ist Österreichs einziger Steppennationalpark und zählt zu den außergewöhnlichsten Naturlandschaften des Landes. Das Schutzgebiet erstreckt sich über Österreich und Ungarn und bietet mehr als 350 Vogelarten einen wertvollen Lebensraum. Trotz seiner Ausdehnung gibt es hier keine Berge – stattdessen prägen weite Ebenen, Salzlacken, Feuchtgebiete und ausgedehnte Schilfflächen das Landschaftsbild.

Besonders beeindruckend ist die große Vielfalt an Lebensräumen auf vergleichsweise engem Raum. Feuchtwiesen, Steppen, Salzseen und breite Schilfgürtel liegen oft nur wenige Meter voneinander entfernt und schaffen ideale Bedingungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Dadurch ist der Nationalpark Teil der UNESCO-Welterbelandschaft Fertő/Neusiedler See und besitzt einen herausragenden ökologischen Wert.

Mit Ferngläsern ausgerüstet lassen sich die Besonderheiten dieser einzigartigen Landschaft entdecken und die Gründe verstehen, warum sich der Nationalpark deutlich von anderen Schutzgebieten unterscheidet. Zudem stehen hilfreiche Hinweise zur Verfügung, welche Tierarten sich zu welcher Jahreszeit besonders gut beobachten lassen und welche Bereiche sich dafür am besten eignen.

Landschaft voller Gegensätze

Zwischen der Kleinen Ungarischen Tiefebene und den östlichen Ausläufern der Alpen erstreckt sich eine außergewöhnliche Naturlandschaft. Feuchtwiesen, Salzlacken, Sandflächen und der Neusiedler See mit seinem mächtigen Schilfgürtel wechseln sich mit der nahezu baumlosen Puszta ab. Im südöstlichen Bereich liegt zudem das Gebiet Hanság – in Österreich auch Waasen genannt. Dabei handelt es sich um eine weitläufige Moor- und Sumpflandschaft, die früher regelmäßig überflutet wurde und heute nur noch in Teilen ihren ursprünglichen Charakter bewahrt.

Der Seewinkel gilt als eine der westlichsten Steppenlandschaften Eurasiens und ist zugleich Österreichs einziger Steppennationalpark. Er markiert den westlichen Rand einer Vegetationszone, die sich bis nach Zentral- und Ostasien erstreckt. Dadurch kommen hier Tier- und Pflanzenarten vor, die in Österreich sonst kaum zu finden sind. Jeder Lebensraum besitzt dabei seine eigenen Besonderheiten – vom Klima über die Vegetation bis hin zu den Tierarten, die dort heimisch sind.

Das Nationalparkzentrum in Illmitz

Ein Besuch im Nationalpark beginnt idealerweise im Nationalparkzentrum in Illmitz. Eine moderne Dauerausstellung informiert dort über Entstehung, Geschichte und Besonderheiten des Schutzgebietes. Gleichzeitig dient das Besucherzentrum als Ausgangspunkt für zahlreiche geführte Exkursionen.

Für die Touren stehen Ferngläser zur Verfügung, damit Tiere auch aus größerer Entfernung gut beobachtet werden können. Viele Angebote sind barrierefrei gestaltet und finden ganzjährig statt. Je nach Saison rücken unterschiedliche Schwerpunkte in den Vordergrund – etwa der Vogelzug, die Pflanzenwelt oder die Entwicklung der verschiedenen Lebensräume.

Die Führungen können individuell, in Gruppen oder gemeinsam mit einem Ranger gebucht werden. Auch Touren mit dem Fahrrad oder E-Bike sind Teil des Programms. Für Schulen und Kindergärten werden speziell abgestimmte Angebote entwickelt, damit bereits Kinder die Natur des Nationalparks auf anschauliche Weise kennenlernen.

Im weiteren Verlauf werden die schönsten Aussichtspunkte und die interessantesten Plätze im Nationalpark vorgestellt und gezeigt, weshalb sich ein Besuch zu jeder Jahreszeit lohnt.

Die schönsten Orte im Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel

Aussichtsturm "Hölle" – Panorama über die Steppenlandschaft

Ein idealer Ort, um den Nationalpark aus der Vogelperspektive zu erleben, ist der Aussichtsturm in der sogenannten "Hölle", einem Ortsteil von Illmitz. Trotz des ungewöhnlichen Namens hat dieser nichts mit der Unterwelt zu tun. Zur Herkunft des Namens gibt es verschiedene Erklärungen. Vermutlich entwickelte er sich im Laufe der Zeit aus der Bezeichnung "Auf der Höhe". Eine andere Theorie führt den Namen auf die heißen Sommer zurück, in denen die Feldarbeit besonders beschwerlich war. 

Mit rund 15 Metern Höhe bietet der Turm einen beeindruckenden Rundumblick über die weite Landschaft des Nationalparks. Von hier aus sind zahlreiche Sodalacken, der Neusiedler See mit seinem ausgedehnten Schilfgürtel sowie das Leithagebirge und Teile des ungarischen Umlands zu sehen. Die flache Landschaft vermittelt ein außergewöhnliches Gefühl von Weite. An windigen Tagen erinnern die Wellen des leicht salzhaltigen Neusiedler Sees fast an eine Meeresküste.

Sodalacken – seltene Naturjuwele

Zu den außergewöhnlichsten Lebensräumen des Nationalparks zählen die Sodalacken. Ein besonders bekanntes Beispiel ist der Illmitzer Zicksee. Aufgrund des hohen Salzgehalts bilden sich an den Ufern während trockener Perioden auffällige weiße Salzkrusten. In heißen Sommern können manche Lacken sogar vollständig austrocknen – in den letzten Jahren kommt das immer häufiger vor.

Solche Gewässer sind im europäischen Binnenland äußerst selten und bieten ideale Bedingungen für viele spezialisierte Tierarten. Vor allem Watvögel finden hier reichlich Nahrung. Bei einem Besuch lassen sich unter anderem Stelzenläufer und Säbelschnäbler beobachten, die im flachen Wasser nach kleinen Krebstieren suchen.

Besonders faszinierend sind die winzigen Urzeitkrebse wie Feenkrebse oder Triops. Ihre Vorfahren lebten bereits lange vor den Dinosauriern. Mit etwas Glück zeigen sich rund um die Lacken außerdem Seeadler, Silberreiher, Kiebitze oder sogar Flamingos, die allerdings nur sehr selten zu Gast sind.

Warum das Wasser salzig ist

Dass sich mitten im Burgenland eine Landschaft entwickelt hat, die an Küstenregionen erinnert, hat geologische Ursachen. Vor etwa 13 Millionen Jahren bedeckte das sogenannte Pannonische Meer große Teile der heutigen Region. Nachdem sich das Meer zurückgezogen hatte, blieben salzhaltige Ablagerungen im Boden zurück.

Bis heute transportiert das Grundwasser gelöste Salze an die Oberfläche. Zusammen mit dem trockenen pannonischen Klima entstehen so die charakteristischen Sodalacken. Viele Pflanzen- und Vogelarten, die hier vorkommen, sind sonst eher von Meeresküsten als aus dem Landesinneren bekannt.


Kleinster brauner Falkenart Merlin, sitzt im Gras am Boden auf der Lauer nach Beute.
Merlin (Falco columbarius)

Ein empfindliches Ökosystem

Die Salzlacken zählen zu den sensibelsten Lebensräumen des Nationalparks. Sie besitzen weder natürliche Zu- noch Abflüsse und sind vollständig auf Niederschläge und den Grundwasserstand angewiesen. Schwankende Wasserstände und ein ausreichend hoher Salzgehalt sind entscheidend für ihr Fortbestehen.

Sinkt der Grundwasserspiegel dauerhaft, gelangt weniger Salz an die Oberfläche. In der Folge breiten sich Schilf, Gräser und Sträucher aus und verdrängen jene Pflanzenarten, die auf salzhaltige Böden spezialisiert sind. Gleichzeitig verlieren zahlreiche Vogelarten wichtige Rast- und Nahrungsflächen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden verschiedene Pflegemaßnahmen umgesetzt. Dazu zählen die Regulierung des Wasserhaushalts, die Beweidung durch Nutztiere, regelmäßige Mahd sowie die Entfernung von Gehölzen. Ziel ist es, die offenen Landschaften langfristig zu erhalten und den einzigartigen Charakter der Sodalacken zu bewahren.

Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees

Rund 180 Quadratkilometer Schilf umgeben den Neusiedler See und bilden eines der größten zusammenhängenden Schilfgebiete Europas. Für zahlreiche Vogelarten ist dieses Gebiet ein geschützter Brut- und Lebensraum.

Beim Spaziergang über die Holzstege entlang des Schilfgürtels entfaltet sich rasch eine besondere Atmosphäre. Die leicht salzige Brise und das Rufen der Möwen erinnern eher an einen Urlaub am Meer als an einen See im Osten Österreichs.

Mit etwas Geduld lassen sich hier unter anderem Purpurreiher, Drosselrohrsänger, Moorenten, Lachmöwen sowie Fischotter und Biber beobachten.

Sandeck – Paradies für Natur- und Vogelliebhaber

Ein weiterer Höhepunkt des Nationalparks ist das Sandeck. Besonders Naturfotografen und Vogelbeobachter schätzen diesen ruhigen Bereich, da hier kein Autoverkehr stört und die Tierwelt nahezu ungestört beobachtet werden kann.

Eine Besonderheit sind die Österreichisch-Ungarischen Weißen Barockesel. Diese seltene Haustierrasse entstand bereits in der Barockzeit und galt damals als Statussymbol des Adels. Entgegen einer häufigen Annahme handelt es sich dabei nicht um Albinos, sondern um eine eigenständige und äußerst seltene Rasse.

Auch für Vogelfreunde bietet das Sandeck hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten. Besonders Ende April und Anfang Mai sind zahlreiche Arten aktiv. Im Herbst sorgen tausende durchziehende Kraniche für ein beeindruckendes Naturschauspiel. Darüber hinaus zählt das Gebiet zu den schönsten Orten im Nationalpark, um einen Sonnenuntergang zu erleben.

Ein Paradies für Tierbeobachter

Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel zählt zu den artenreichsten Naturräumen Österreichs. Schon während der Fahrt zwischen den einzelnen Beobachtungspunkten lassen sich zahlreiche Tiere entdecken. Besonders ins Auge fallen die großen Graugansbestände, die in vielen Bereichen des Schutzgebietes zu sehen sind.

Insgesamt wurden hier mehr als 350 Vogelarten nachgewiesen. Neben den häufig vorkommenden Graugänsen können unter anderem Bienenfresser, Rotfußfalken, Kuckucke, Silberreiher und verschiedene Greifvögel beobachtet werden. Je nach Jahreszeit verändert sich die Artenzusammensetzung deutlich, sodass jeder Besuch ein anderes Naturerlebnis bietet.

Neben der Vogelwelt spielen auch die großen Weidetiere eine wichtige Rolle im Nationalpark. Graurinder, Asiatische Wasserbüffel, Przewalski-Pferde und die seltenen Weißen Barockesel tragen durch ihre Beweidung dazu bei, die offenen Landschaften zu erhalten. Mit etwas Glück lassen sich in den frühen Morgen- oder Abendstunden sogar Goldschakale beobachten, die sich inzwischen wieder dauerhaft im Gebiet angesiedelt haben.

Ein Fernglas gehört zur wichtigsten Ausrüstung bei einem Besuch im Nationalpark. Viele Tiere halten sich in größerer Entfernung auf und können so ungestört beobachtet werden. Wer möglichst viele Bereiche erkunden möchte, ist mit dem Fahrrad besonders flexibel. Dabei sollte jedoch der oft kräftige Wind in der offenen Steppenlandschaft nicht unterschätzt werden.

Zum Schutz der empfindlichen Natur gilt im gesamten Nationalpark ein Wegegebot. Die markierten Wege dürfen nicht verlassen werden, und Hunde müssen während des gesamten Aufenthalts an der Leine geführt werden.


Sommer und Herbst

In den Sommermonaten klettern die Temperaturen in der Steppenlandschaft oft deutlich in die Höhe. Daher eignen sich vor allem die frühen Morgenstunden oder der Abend für Ausflüge. In dieser Zeit werden unter anderem Kanutouren, geführte Nachtwanderungen sowie Exkursionen in die Pflanzen- und Insektenwelt des Seewinkels angeboten.

Der Herbst steht ganz im Zeichen des Vogelzugs. Bereits ab September brechen zahlreiche Arten in ihre Winterquartiere auf. Einen besonderen Höhepunkt bildet der November, wenn tausende Kraniche den Nationalpark als Rastplatz nutzen. Dieses eindrucksvolle Naturschauspiel zieht jedes Jahr viele Naturfreunde und Fotografen an.

Eine außergewöhnliche Kulturlandschaft

Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel unterscheidet sich deutlich von vielen bekannten Nationalparks weltweit. Statt unberührter Wildnis prägt hier eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft das Bild, die eng mit dem Schutzgebiet verbunden ist.

Sein heutiges Erscheinungsbild ist das Ergebnis natürlicher Prozesse und einer behutsamen Nutzung durch den Menschen. Gerade dieses Zusammenspiel von Natur und traditioneller Bewirtschaftung verleiht dem Nationalpark seinen besonderen Charakter.

Vom Eisernen Vorhang zum Schutzgebiet

Die Entstehung des Nationalparks ist eng mit der Geschichte Europas verknüpft. Während des Kalten Krieges verlief entlang der österreichisch-ungarischen Grenze der Eiserne Vorhang. Über Jahrzehnte war dieser Grenzstreifen kaum zugänglich, sodass sich viele Lebensräume nahezu ungestört entwickeln konnten.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde der hohe ökologische Wert dieses Gebietes erkannt. Anfang der 1990er-Jahre stellten sowohl Ungarn als auch Österreich ihre jeweiligen Flächen unter Schutz. So entstand einer der wenigen grenzüberschreitenden Nationalparks Europas.

Naturschutz und Landwirtschaft im Einklang

Eine Besonderheit des Nationalparks ist die enge Zusammenarbeit mit den Grundstückseigentümern. Rund die Hälfte der Fläche ist als Naturzone streng geschützt und bleibt vollständig sich selbst überlassen. Die andere Hälfte bildet die sogenannte Bewahrungszone.

Dort werden Wiesen und Weideflächen nach klaren Naturschutzvorgaben gepflegt. Ziel ist nicht die landwirtschaftliche Produktion, sondern der Erhalt der artenreichen Landschaft. Weinbau, Ackerbau oder Gemüseanbau finden innerhalb des Nationalparks nicht statt, auch wenn entsprechende Flächen direkt an das Schutzgebiet angrenzen.

Viele Grundstücke befinden sich im Besitz privater Eigentümer. Der Nationalpark pachtet zahlreiche Flächen und arbeitet eng mit Landwirten zusammen. Durch extensive Beweidung und regelmäßige Pflegemaßnahmen bleiben wertvolle Lebensräume wie Wiesen, Salzlacken und Steppen dauerhaft erhalten.

Ein Naturerlebnis mit Seltenheitswert

Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel vereint außergewöhnliche Landschaften, eine beeindruckende Artenvielfalt und eine spannende Geschichte auf einzigartige Weise. Die Kombination aus Steppenlandschaft, Schilfgürtel, Salzlacken und traditioneller Bewirtschaftung macht dieses Schutzgebiet zu einem der

Kleiner Waldohreule sitzt im Geäst eines Baumes, Kopf zwischen Zweigen, Sonnenlicht und blauer Himmel im Hintergrund.
Waldohreule (Asio otus)
Schwäne, Löffler, Silberreiher und Enten stehen auf zugefrorenem See, ruhiges Wasser mit Spiegelungen, Ufer mit Schilf im Hintergrund.
Löffler und Silberreicher

Winter und Frühling

Auch in der kalten Jahreszeit bietet der Nationalpark eindrucksvolle Naturerlebnisse. Viele Vogelarten konzentrieren sich dann auf geeignete Rast- und Nahrungsplätze. Besonders gute Chancen bestehen, Seeadler, Kaiseradler, Kornweihen, Eulen, Blässgänse oder Raubwürger zu beobachten.

Mit dem Frühling beginnt eine der spannendsten Zeiten des Jahres. Die Zugvögel kehren zurück, zahlreiche Pflanzen beginnen zu blühen und viele Vogelarten starten in ihre Brutzeit. Arten wie Großtrappe, Kiebitz oder Rotschenkel lassen sich jetzt besonders gut beobachten.

Ein besonderes Highlight für Vogelliebhaber ist die alle zwei Jahre stattfindende „Pannonian Bird Experience“. Während dieser Veranstaltung erhalten Besucher faszinierende Einblicke in die Arbeit von Ornithologen. Dazu gehören unter anderem Vogelberingungen, wissenschaftliche Beobachtungen sowie verschiedene Programme zur Erfassung der Vogelbestände.

Im Frühjahr lohnt sich ein Besuch des Sandecks ganz besonders. Die angenehmen Temperaturen und die hohe Aktivität der Vogelwelt machen diesen Bereich zu einem der besten Beobachtungsorte des Nationalparks. Auch die Graugänse sind im Mai besonders häufig zu sehen.

Die Weidetiere verbringen den größten Teil des Jahres auf den offenen Flächen. Graurinder und Wasserbüffel werden in der Regel Anfang Mai auf die Weiden gebracht und bleiben dort bis in den Herbst. Przewalski-Pferde und Weiße Barockesel können dagegen nahezu das ganze Jahr über im Freien beobachtet werden.

Hintergrundfoto quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Neusiedler_Lake_satellite.png